GEWINN Jungunternehmerwettbewerb Interview

Jungunternhemer-Preis 2014, ©Pepo SchusterAuch heuer sponserte Bisnode zum bereits 4. Mal in Folge die Kategorie „Idee des Jahres“ beim GEWINN Jungunternehmerwettbewerb. Dieses Jahr durfte Geschäftsführer Bodingbauer den verdienten Preis an incubed IT überreichen. Erfahren Sie hier näheres zum Gewinnerunternehmen.

Was ist das Besondere an Ihrer Idee?
incubed IT entwickelt Smart Shuttles; das sind Transportfahrzeuge, die automatisch und vollkommen selbständig Waren von beliebigen Quellen zu beliebigen Zielen transportieren können. Ihren Weg dürfen sie – im Gegensatz zu klassischen fahrerlosen Transportsystemen – selbst bestimmen. Dadurch entsteht eine gänzlich neue Dimension der Flexibilität: jedwede Hindernisse, auch unbekannte, werden umfahren, Staus oder Engpässe wie sie bei klassischen Lösungen der Logistik auftreten können, gehören damit der Vergangenheit an. Das System ist dabei sicherheitszertifiziert, d.h. die Fahrzeuge dürfen im Mischbetrieb mit menschlichen Kollegen eingesetzt werden. Die Shuttles umfahren Personen im Regelfall einfach; im Extremfall, d.h. wenn eine Person sehr plötzlich in den Weg des Shuttles gerät, bleibt dieses sofort stehen, so dass niemals eine Gefahr für Menschen entstehen kann. Die Smart Shuttles können dadurch in großen Flotten eingesetzt werden, um beliebige Transportaufgaben, einfach, schnell, flexibel und sicher auch gemeinsam mit Menschen durchzuführen.

Wie und wann sind Sie auf diese Idee gestoßen?
Das Gründungsteam der incubed IT war bereits lange vor der Gründung einer gemeinsamen Firma im RoboCup tätig. In der sogenannten Simulationsliga entdeckten wir dort unsere Leidenschaft für autonome Systeme. In dieser ist es die Aufgabe eine Menge von unabhängigen Softwareprogrammen (genannt Agenten) so zu koordinieren, dass sie ein virtuelles Fußballspiel gewinnen. Das Team war am Institut für Softwaretechnologie der Technischen Universität Graz beheimatet, das sich unter anderem auf Roboter spezialisiert hat. Im Zuge des RoboCups als auch diverser Forschungstätigkeit war der Schritt vom virtuellen Fußballspieler zum echten Roboter dann nur natürlich. Diese Leidenschaft für selbständige Roboter und Multi-Agenten-Systeme haben wir schlussendlich in Partnerschaft mit der KNAPP Systemintegration GmbH zu einem Produkt entwickelt, das nun die Welt der Intralogistik und Produktion revolutionieren wird.

Was waren die größten Hürden in diesem Projekt?
Zwei wesentliche Hürden mussten wir zur Realisierung unserer Vision in unseren Augen besonders überwinden. Zum einen war es wirtschaftlich gesehen notwendig, die hohen Innovationskosten mit einem stabilen Geschäftsmodell zu decken. Von Beginn an haben wir dazu die Innovationsleistung, die in etwa die Hälfte des Teams geleistet hat, mit Hilfe von Auftragsentwicklung der anderen Hälfte finanziert. Die Hürde technischer Natur war es, den Brückenschlag zwischen Forschung und Wirtschaft durch Innovation zu meistern. In der Wissenschaft konzentriert man sich selbstverständlich auf jene Komponenten der eigenen Grundlagenforschung, die die Neuerung darstellen. Alle weiteren Aspekte können abstrahiert werden. Will man ein industrietaugliches Produkt auf den Markt bringen, kann man es sich nicht leisten, gewisse Aspekte des Produkts außer Acht zu lassen. Hier müssen alle Komponenten von den zentralen Routinen bis zum einfachen Ein/Ausschaltknopf robust harmonieren. Diese Robustheit konnten wir durch den Einsatz und die gewissenhafte Arbeit von fähigen und leidenschaftlichen Mitarbeitern mit den notwendigen Spezialkenntnissen in der Robotik als auch durch die richtigen Partnern erreichen, mit denen wir eine vertrauensvolle Beziehung pflegen.

Haben Sie noch weitere Ideen in Planung, welche Sie uns schon verraten würden?
incubed IT entwickelt nicht nur einzelne Roboter, sondern ganze Flotten von Smart Shuttles. Dadurch entsteht ein dynamisches und sehr einfach skalierbares System, für das nur die jeweils notwendigen Erstinvestitionen gemacht werden müssen. Ist es einmal notwendig, mehr zu produzieren bzw. zu transportieren, können sich Kunden einfach eine entsprechende Anzahl an neuen Shuttles kaufen, sie einschalten, wo sie gebraucht werden, und sofort nehmen die Shuttles ihre Arbeit auf. Diese Flotte besteht derzeit aus Fahrzeugen zumindest gleichartiger Natur, d.h. die mittels eines sogenannten Lastaufnahmemittels Waren automatisch aufnehmen und abgeben können. In Zukunft sollen auch anders spezialisierte Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Durch Interaktion zwischen den unterschiedlichen Shuttles entstehen heterogene Flotten, die noch komplexere Aufgabenstellungen autonom lösen können. Beispiele wären Shuttles mit einem Greifarm, um Waren aus Kisten zu entnehmen, oder fliegende Drohnen, die Überwachungsaufgaben übernehmen könnten.