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- 09 Jun 2020

Corona verschont die österreichische Wirtschaft scheinbar – oder ist dies die Ruhe vor dem Insolvenzen-Tsunami?


Im Vergleich zu den Vorjahren sinken Insolvenzen in Österreich wieder. Als Aufwärtstrend ist diese Entwicklung aber nicht zu interpretieren.


Wien, 09. Juni 2020

Ein Blick in die Insolvenz-Statistik zeigt einen positiven Trend: Insolvenzfälle sinken, obwohl der Corona-Lockdown die österreichische Wirtschaft doch schwer beutelt. Der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B rät, diesen Rückgang aber mit Vorsicht zu genießen.

Produktionen blieben geschlossen, Betriebe wurden stillgelegt, MitarbeiterInnen wurden in Kurzarbeit geschickt: Die Lockdown-Maßnahmen in Österreich brachten einen großen Teil der Wirtschaft von heute auf morgen zu einem plötzlichen Stillstand. Und dennoch: Die Insolvenzzahlen sind im Mai nochmal deutlich gesunken. Von einer Entspannung der Lage darf dennoch keine Rede sein.

 

Überraschung für die üblichen Verdächtigen

Im Vergleich zu den Vorjahren (2017-2019) sank heuer (Stichpunkt Ende Mai) die Gesamtzahl an insolventen Unternehmen in Österreich um 25%.  Maßgeblich ist das Sinken der Insolvenzen in den Monaten April und Mai.

Besonders überraschend: Der Anteil an Unternehmen, welche üblicherweise stärker von Zahlungsunfähigkeit betroffen sind, wie z.B. Bau- und Baunebengewerbe sowie die Gastwirtschaft, weist im Mai ebenfalls einen Rückgang an Insolvenzen auf.

Im Gegensatz dazu stieg der Anteil an Personenbetreuern, die zahlungsunfähig wurden – dies aber eher in geringem Umfang.

Im Bundesländer-Vergleich führt Wien mit 535 Insolvenzen von Jänner bis Mai 2020 – im gleichen Zeitraum wurden hier 2019 25% mehr Insolvenzen gezählt. Dass Wien Spitzenreiter bei der Anzahl der Insolvenzen ist, ist nicht weiter verwunderlich: Sind in der Bundeshauptstadt doch die meisten Unternehmen ansässig. Gefolgt wird Wien von Niederösterreich, der Steiermark und Tirol.

 

Insolvenzen werden nicht weniger, sie verschieben sich

Dass die Zahlen der Insolvenzfälle im Jahr 2020 einen derartigen Rückgang erleben, lässt Zuversicht aufkommen, ist aber mit Vorsicht zu genießen. Bisnode D&B weist darauf hin, dass dieser „Positivtrend“ nicht als Zeichen für eine florierende Wirtschaft interpretiert werden darf. Viel eher handelt es sich hier um einen Aufschub der Rezession. April und Mai zeigen zwar eine sinkende Anzahl an Insolvenzen – hier spielen aber die verlängerten Insolvenzverfahren und Aufschübe eine tragende Rolle, da auch Gerichte vom Lockdown betroffen waren.

 

Über Bisnode

Bisnode ist ein führender europäischer Anbieter für Data & Analytics. Wir unterstützen Unternehmen dabei, Kunden zu finden und über den gesamten Kundenlebenszyklus zu managen. Bisnode verbindet die eigenen Datensätze mit den Daten von Kunden sowie mit weltweit gesammelten Big Data, um daraus neue Erkenntnisse zu generieren. Mit unserem Smart-Data-Ansatz können Unternehmen
smarte Entscheidungen treffen. Mehr als 150.000 Kunden profitieren von unserer Kompetenz im Bereich Smart Data. Bisnode bietet Zugriff auf die weltweit umfassendste Datenbank von Unternehmen und Personen. Seit 2002 ist Bisnode der größte strategische Partner von Dun & Bradstreet, dem globalen Anbieter von Wirtschaftsinformationen. Die Bisnode Gruppe hat Niederlassungen in 19 Ländern und beschäftigt 2.300 Mitarbeiter. Das Unternehmen verfügt über umfassende Daten zu mehr als 5,3 Millionen deutschen und rund 120 Millionen europäischen Firmen sowie über das D&B Worldwide Network zu über 340 Millionen Unternehmen weltweit. In 2019 betrug der Umsatz der Bisnode Gruppe 3,8 Mrd. Schwedische Kronen (ca. 362 Mio. EURO / Stichtag 31.12.2019).